Assurance ménage et RC

Evakuierung nach Felssturz: Welche Versicherung trägt meine Kosten?

INFO
|
Bergstürze wie am 23. August 2017 in Bondo GR zerstören Häuser und ganze Existenzen.

Drei Millionen Kubikmeter Gesteinsmaterial donnerten am 23. August 2017 bei Bondo GR von dem italienischen Berg Piz Cengalo (3369 Meter hoch) ins Tal. Das entspricht 300 Millionen Liter-Packungen Milch.  Das komplette Dorf musste evakuiert werden. Solche Fälle könnten sich durch die Klimaerwärmung künftig häufen. Denn die Temperaturen steigen in der Schweiz besonders stark. Doch wer übernimmt dann diese Kosten?

Das Drama in dem 200-Seelen-Alpenort gilt als einer der grössten Bergstürze in der Schweiz seit 100 Jahren. Vermutlich brachte auftauender Bodenfrost und Wasserdruck den Gletscher zum Schmelzen. Das Gletscherwasser vermischte sich mit Geröll. Diese Massen schoben sich dann als Murgang bis an den Dorfrand, zerstörten zwei Ställe und beschädigten 12 Gebäude. Acht Personen werden noch immer vermisst. 

In der bergsturzreichen Schweiz gab es bereits ähnliche Katastrophen in Elm (GL), Flims (GR) und an der Eiger-Ostwand (BE).

Drohen Bergstürze jetzt häufiger?

Obwohl der Bergsturz in Bondo vermutlich nicht unmittelbar mit dem Klimawandel zusammenhängt, rechnen Forscher damit, dass die Naturgefahren in den Bergen durch erhöhte Temperaturen zunehmen werden. Denn diese steigen hierzulande stärker als anderswo: Um mehr als doppelt so viel wie das weltweite Mittel stieg die Durchschnittstemperatur in der Schweiz seit Beginn der globalen Temperaturaufzeichnungen 1880.

Bis zu vier Jahre oder länger könnte der Wiederaufbau des Dorfes Bondos dauern.  Auch wird noch einige Zeit vergehen, bis die Bewohner wieder in ihre Häuser zurück kehren können. Bleibt die Frage, wer bei solchen Evakuierungen wie in Bondo für die Kosten aufkommt?

Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu von Comparis-Experte Michael J. Kohlas:

Wer übernimmt die Kosten für Verpflegung, Übernachtung, Kleidung sowie Transport, wenn man evakuiert wird?

Generell versichern die meisten Hausratversicherungen die sogenannten Lebenshaltungskosten. Dies sind Kosten, die aufgrund der Unbenutzbarkeit der beschädigten Räume (Wohnung, Haus, etc.) anfallen. Dies können zum Beispiel Kosten für Übernachtung, Verpflegung, Kleidung, Transportmehrkosten etc. sein. Die Höhe der gedeckten Kosten können sich je nach Angebot und Anbieter stark unterscheiden. Eine generell versicherte Kostensumme kann so nicht genannt werden. 

Wer übernimmt die momentan anfallenden Kosten für Evakuierte, deren Haus nicht beschädigt ist, aber im Gefahrengebiet steht und somit nicht bewohnbar ist?

Leider springt die Versicherung erst bei Folgekosten (siehe oben „Lebenshaltungskosten“) aufgrund eines Schadensereignisses ein. Es muss also ein Schaden passiert sein, der die Wohnräume unbenutzbar macht. In der Regel ist es aber so, dass die Gemeinden, die die Menschen evakuieren, auch dafür sorgen, dass die betroffenen Personen während dieser Zeit gut versorgt sind und eine Unterkunft zur Verfügung haben.

Falls ja, gilt das für jede Hausratsversicherung?

Die meisten Anbieter schliessen die Lebenshaltungskosten automatisch mit ein. Es ist jedoch bei Vertragsabschluss besonders darauf zu achten, ob und in welcher Höhe solche Kosten gedeckt sind.

Was muss man tun, um diese Leistungen in Anspruch nehmen zu können?

Bei einem Schaden möglichst schnell die Situation der Hausratversicherung melden und die individuelle Situation schildern (am besten telefonisch). So können die finanziellen Folgen schnell eingeschätzt, die Leistungen berechnet und vergütet werden. Wichtig: Belege für Übernachtungen, Essen etc. aufbewahren – diese können von der Versicherung angefordert werden. 

Gibt es für die Evakuierten von den Versicherungen finanzielle Soforthilfe?

Je nach Leistungspaket und Kulanz der Versicherung können Sofortzahlungen erfolgen. Es empfiehlt sich, die Versicherung möglichst schnell zu kontaktieren und während der Schadensabwicklung in engem Austausch mit der Versicherung zu bleiben.

Und wie sind die Schäden am Gebäude abgesichert?

In den meisten Kantonen sind die Gebäude obligatorisch über die kantonale Gebäudeversicherung gegen ‚Feuer und Elementarschäden‘ versichert. Der hier passierte Erdrutsch zählt zu den Elementarschäden. So entstandene Gebäudeschäden sind über die kantonale Gebäudeversicherung des betroffenen Kantons gedeckt. Besitzer müssen diese melden. Die sieben Kantone, welche kein Obligatorium zur Feuer- und Elementarschadendeckung via Kanton und somit keine kantonale Gebäudeversicherung haben sind die sogenannten GUSTAVO-Kantone (Genf, Uri, Schwyz, Tessin, Appenzell Innerrhoden, Wallis und Obwalden). Diese müssen ihr Gebäude über eine private Versicherungsgesellschaft gegen Feuer- und Elementarschäden versichern, was dringend zu empfehlen ist.